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Über das Prinzip der gleichen GeburtKein Mensch hat sich ausgesucht, wo er geboren ist. Nicht den Ort, nicht die Zeit und nicht, wie er auf die Welt kommt. Mann oder Frau. Schwarz oder weiss oder gelb oder rot. Behindert oder gesund. Hetero- oder homosexuell. Arm oder reich. Niemand hat mich gefragt, niemand hat dich gefragt. Ich bin nicht besser als du. In keinem Punkt. Ich bin ein Mensch wie du auch und wie alle anderen. Jedes menschliche Leben, egal wo und egal wie es sich gestaltet, ist genauso viel wert wie mein Leben. Dass es sich niemand ausgesucht hat, ist der Grund, weshalb ich nicht das Recht habe mich über irgendeinen anderen auf dieser Welt zu stellen. Wieso soll ich einen Schwarzen als niedriger ansehen als mich, der nun einmal weiss ist? Wieso sollte dies der Schwarze tun? Hat mich jemand gefragt? Nein. Hat ihn jemand gefragt? Nein. Wieso sollten wir uns verachten? Wieso uns mit Misstrauen gegenüberstehen? Wieso sollten wir unser schönes kurzes Leben damit verschwenden, uns argwöhnisch zu beobachten, uns zu misstrauen, uns am Ende gar zu hassen? Was ist das nur für eine sinnlose Verschwendung von Lebenszeit und im Extremfall auch von Leben. Sollten wir nicht lieber in Frieden zusammenleben? Als gleichberechtigte Mitglieder der Menschenrasse, als Erdenkinder. Was um alles in der Welt gibt mir das Recht, diesen Menschen zu verurteilen? Vielleicht weil er schwarz ist? Na und. Was kann er schon dazu? Was kann ich denn dafür das ich weiss bin? Wieso sollte er nicht in Frieden in diesem Land umgehen und seinem Leben nachgehen wie ich auch? Ist dieses Land denn nicht Teil der Erde? Sind er und ich denn nicht gleiche Teile der menschlichen Rasse? Wer gibt uns das Recht, ihm verbieten zu wollen, in diesem Land zu leben? Gehört es denn uns? Ist dieses Land nicht Teil der Erde, bestimmt dazu, allen Erdenkindern darin in Frieden und Freiheit wohnen zu dürfen wie in allen anderen Länder auch? Wenn ich jetzt nach Spanien ziehe, will ich doch auch nicht, dass man mich schief anschaut, nicht mit mir redet, mich als Fremden behandelt. Und schon gar nicht, dass man mir mit Baseballschlägern hinterherrennt und mir nach Gesundheit und Leben trachtet, ohne je mit mir geredet zu haben oder je nur das Bedürfnis gehabt zu haben, mit mir zu reden. Dann will ich auch als Mensch unter Menschen leben, in der Sonne am Meer sitzen und mich meines Lebens freuen. Doch selbst wenn wir die gleiche Hautfarbe haben, genügt es heute schon, unterschiedlicher Nationalität zu sein, um unseren Brüdern fremd zu werden. In Staatszugehörigkeit und Sprache verschieden zu sein, reicht aus, um einander fremd zu werden, wird genutzt, Hass zu schüren und Zwietracht unter der Menschenrasse, um einen Keil zwischen uns zu treiben, die wir doch alle desselben Blutes sind. Über Generationen hinweg werden Gräben gezogen und immer tiefer gemacht, wird Argwohn gesät und schon den Kindern eingegeben, sich mit diesen und jenen nicht abzugeben. Staaten sollten doch nichts anderes als höhere Einrichtungen der Ordnung, um alles in Frieden und im Gleichgewicht zu halten, um Schutz, Ruhe und Sicherheit für alle zu gewähren, die in ihnen leben, da die öffentliche Ordnung nun einmal die Grundlage ist für das Wohlergehen und die Entwicklung jedes Einzelnen im Volk. Wieso sollte dann die Geburt in unterschiedlichen Staaten dazu führen, sich uneins zu werden? Dass sich ein Deutscher als besser ansieht als ein Pole, weil es ihm so eingegeben worden ist? Was unterscheidet mich denn schon von einem Polen, ausser dass ich hier geboren bin und er eben dort? Hier sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt, dass es sich doch niemand ausgesucht hat, wo er geboren ist. Er ebenso wenig wie ich. Also wieso sollte es dann noch heissen er und ich und nicht wir? Wieso sollten wir dann nicht in Frieden zusammenleben, uns unseres Lebens freuen und das Beste für die Einigkeit und das Wohlergehen der menschlichen Rasse tun? Wieso sollte es eigentlich überhaupt noch heissen hier und dort? Sind wir nicht beide Europäer? Leben wir nicht beide in Europa, umgeben von Freunden, frei von jeder Angst und endlich frei von der Drohung des Krieges? Unser Europa ist zum ersten Mal in der Geschichte geeint, ein Ort des Friedens und der Freiheit, mit einer gemeinsamen Ordnung und einer gemeinsamen Währung. Wieso sollten wir dann nicht auch gemeinsam daran arbeiten, es zu einem noch schöneren Ort zu machen? Ès ist nun an uns. Ganz von der gleichen Geburt abgesehen sollten wir froh sein, dass überhaupt noch einer aus dem polnischen Volk auf Erden umgeht, nach allem, was ihnen angetan wurde. Wir sollten froh sein, dass sie gnädig mit uns sind, uns vergeben haben und uns nicht auf ewig hassen. Sicher können weder wir noch unsere Eltern und vielleicht nicht einmal mehr unsere Großeltern etwas für die Grausamkeiten, die im Zweiten Weltkrieg geschehen sind. Jedoch sollten wir uns unserer Vergangenheit bewusst sein und die alten Kämpfe nicht weiterführen, die soviel Leid über unseren Kontinent gebracht haben, sondern zusammenstehen und Frieden halten. Dieser Vernichtungsfeldzug hat uns allzu deutlich vor Augen geführt, wohin es führt, wenn Menschen eingeredet wird, sie wären besser als ihre Brüder, wenn ihnen eingeredet wird, sie gehörten einer Herrenrasse an, die den Auftrag hat, über alle anderen zu gebieten, ihnen ihre Menschenwürde abzusprechen und ihnen alle Rechte zu nehmen. Deshalb ist der einzige Weg zum Frieden der, dass die Menschen verstehen, dass sie alle einer Rasse angehören und dass kein Mensch mehr wert ist, als ein anderer und kein Volk mehr wert ist als ein anderes. Gleiches gilt für die alten Grabenkämpfe zwischen Deutschen und Franzosen, Deutschen und Niederländern, Franzosen und Briten. Wir sind alle Europäer. Lasst uns den Glanz und die Pracht dieses Teiles der Erde gemeinsam vermehren und uns endlich einigen. Unser Leben ist zu kurz für solchen Wahnsinn. Doch auch wenn wir im selben Staat geboren sind, reicht es schon, unterschiedlichen Gesellschaftsschichten anzugehören, um uns zu spalten. Denn alles, was nicht bei unserer Geburt vorherbestimmt wird, wird durch unser Umfeld geprägt. Allein unsere politsche Einstellung und unsere Weltanschauung. Ein Kind, das in einem nationalistischen Klima aufwächst unterliegt viel eher der Gefahr, der rechtsradikalen Verblendung und dem Hass zu unterliegen und seine Brüder als minderwertig anzusehen. Doch kann ein Faschist dann nicht wirklich etwas dazu, dass er so geworden ist, wenn ihm nichts anderes gelehrt worden ist. Deshalb gibt es keinen Grund, diese Menschen zu hassen, denn genau das ist der falsche Weg. Sie haben genauso eine Chance verdient wie alle anderen. Sie haben eine Chance verdient, ihre Fehler einzusehen und zu Mitgliedern der friedlichen geeinten Menschenrasse zu werden, wie alle anderen auch. Kein Mensch ist verloren, für niemanden ist es zu spät, umzukehren. Daran glaube ich fest. Deshalb ist der einzige Weg für ein friedliches Zusammenleben Aufklärung und Bildung. Das Prinzip der gleichen und freien Geburt muss deshalb zum obersten Grundsatz der Schulbildung werden. Genau das muss allen vermittelt werden, darüber muss diskutiert werden, damit alle es lernen und verstehen, dass sie eins sind und verlernen, zu hassen. Bildung ist der einzige Weg zu Frieden, deshalb muss jedes Kind unabhängig von seiner Geburt und der gesellschaftlichen Stellung seiner Eltern die gleichen Chancen haben, jede Art von Bildung zu geniessen. Die Entwicklung eines Menschen muss abhängen von dem was er kann und was er weiss, von seinem Können und von seiner Lernbereitschaft und nicht vom Geldbeutel seiner Eltern. Dafür hat der Staat zu sorgen. Ansonsten geschieht dasselbe wie in den USA, dass nur noch die Kinder reicher Familien die Chance bekommen, höhere Bildung zu erfahren und an den Universitäten eine reiche Elite rekrutiert wird, die das Land regiert und nur für den Erhalt und die Vermehrung des Reichtums der oberen Schichten arbeitet. Wenn den Menschen Tag für Tag vor Augen geführt wird, wie begrenzt ihre Einflussmöglichkeiten sind, egal wie hart sie arbeiten und egal, wie gut und richtig ihre Ideen sind, dann verlieren sie den Glauben an die Demokratie und gewinnen die Einsicht, dass die Politik eine Angelegenheit von "denen da oben" sei und diese eh machen würden was sie wollen. Sie verlieren das Interesse und verlieren ihren Glauben an das System, gehen nicht mehr wählen. Dies ist eine große Bedrohung für die Demokratie. Wir sollten zurück finden zu den Anfängen der Demokratie, zur Demokratie Athens. Es muss wieder so sein, dass jeder die Chance hat, sich politisch einzubringen, mit seinen Ideen und seiner Arbeit für das Wohlergehen seiner Mitmenschen zu sorgen. Wir leben in einer Republik. Dies bedeutet doch, dass die Regierung eine Sache aller ist. Es kann nicht sein, dass es eine politische Kaste gibt, die vom Leben des einfachen Bürgers nichts mehr mitbekommt und, von der Wirtschaft bezahlt, für die Mehrung von deren Reichtum arbeitet. |
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